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Nichts leichter als Liebe?

Rudi und ich, wir kennen uns schon eine Ewigkeit, genau genommen seit der fünften Klasse, obwohl ich in der ersten Zeit immer knapp über ihn hinweg gekuckt habe. Ich hab ihn einfach nicht für voll genommen, den Knirps. Rudi hat nämlich ein Vollmondgesicht und läuft immer rum, als wäre er ein Finanzbeamter im Ruhestand, klamottenmäßig gesehen. Jedenfalls hätte ich jeden ausgelacht, der mir prophezeit hätte, dass ich wegen Rudi mal schlaflose Nächte haben würde. Damals war ich ziemlich arrogant, schätz ich mal. Ich verstehe gar nicht, wieso Rudi mich von Anfang an gemocht hat. Selbst jetzt noch, nach allem, was passiert ist, ist Rudi mein bester Freund.
Und Jonathan? Wenn ich an Jonathan denke, hab ich immer noch ein flaues Gefühl im Magen. So wie in der Schule, wenn es Zeugnisse gibt, oder wie wenn man auf dem Dreimeterbrett steht und hinter einem drängeln sie, damit man endlich runterspringt. Ich krieg keinen Gedanken an Jonathan hin, der einfach nur positiv ist oder einfach nur negativ. Irgendwie gerät mir die ganze Geschichte mit Jonathan immer wieder durcheinander. Manchmal würde ich am liebsten alles vergessen, vergraben und verbuddeln.
Und manchmal denke ich, dass es das Schönste ist, was mir bisher passiert ist.